Jeder kann durch Veränderungen des eigenen Konsumverhaltens zu einer jährlichen CO2 -Reduktion von bis zu 9 Tonnen beitragen. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) hat 7000 Studien auf ihr Potential zur Reduktion von Emissionen in den Bereichen Ernährung, Mobilität und Wohnen gesichtet und daraus Konsum-Optionen für den Klimaschutz erstellt.

Auf jeden einzelnen kommt es an

Der menschengemachte Klimawandel ist in aller Munde. Neben der Politik ist auch jeder einzelne gefordert, in seinem eigene Umfeld einen Beitrag dazu zu leisten. Ein Forscher*innenteam, geleitet von Diana Ivanova, Universität Leeds, hat das Potential zur Reduktion von Emissionen im Bereich Ernährung, Mobilität und Wohnen untersucht und einen Top-10-Maßnahmenkatalog erstellt.

„Die Umsetzung allein dieser 10 Maßnahmen hätte ein enormes Reduktions-Potential von bis zu 9 Tonnen CO2-Equivalente pro Kopf und Jahr, speziell in einem wohlhabenden und konsum-intensiven Land“, betont Co-Autor Dominik Wiedenhofer vom Institut für Soziale Ökologie an der BOKU. Um diese Potentiale zu heben, sieht Wiedenhofer noch hohen Handlungsbedarf: z. B die Herstellung von Kostenwahrheit durch einen entsprechenden Co2-Preis, die Schaffung der notwendigen Infrastrukturen oder die Umsetzung klimafitter Verkehrs- und Raumplanung.

Die Top 10

Die Mobilität zeigt hierbei das größte Potential für Emissions-Reduktionen. Dabei belegt ein (1) Auto-freies Leben Platz Eins, gefolgt vom (2) Wechsel zu Elektromobilität und der (3) Vermeidung von Langstecken-Flügen. Sowohl Automobilität als auch Flugreisen steigen stark mit dem höheren Einkommen, daher sind diese Optionen besonders wichtig in wohlhabenden Ländern. „Mobilität ist jener Bereich, für den öffentliche Infrastrukturen und Dienstleistungen bereitstehen müssen, damit die Voraussetzung dafür gegeben sind, dass Menschen nachhaltig mobil sein können. Es gibt Regionen, wo Menschen mit dem Auto fahren müssen“, so Wiedenhofer.

Im Bereich der Ernährung zeigen sich die Vorteile von (4) veganer Ernährung, gefolgt von Effizienzmaßnahmen beim (5) Kochen und (6) Kühlen von Lebensmitteln. Im Bereich Wohnen zeigen Investitionen in den (7) Ausbau erneuerbarer Energien das größte Potential, gefolgt von der (8) Renovierung und Sanierung von Wohngebäuden.

„Die Reduktion von (9) Konsum und (10) Energieverbrauch ist ein zentraler Baustein in der Bekämpfung der Klimakrise. Die von uns identifizierten Top-10-Optionen können ohne Hoffnungen auf Zukunfts-Technologien sofort umgesetzt werden. Nur durch ein Zusammenspiel von Veränderungen in individuellen Lebensstilen mit ambitionierter Klima- und Nachhaltigkeitspolitik wird es möglich sein, die katastrophalen Folgen des Klimawandels zu vermeiden“, so Wiedenhofer abschließend.

Artikel:
Ivanova, D., Barrett, J., Wiedenhofer, D., Macura, B., Callaghan, M. and Creutzig, F. 2020. Quantifying the potential for climate change mitigation of consumption options. Environmental Research Letters. doi: 10.1088/1748-9326/ab8589

Kontakt/Rückfragen:
Dr. Dominik Wiedenhofer
Institut für Soziale Ökologie
Universität für Bodenkultur Wien
dominik.wiedenhofer@boku.ac.at
Tel.: +0650 6761515

(GZ)
Quelle: Universität f. Bodenkultur
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